Und wo bleib ich?

Mit Illustrationen von Christiane Pieper
Bertelsmann 2002
1. Aufl. 1999
Kinderbuch ab 10 Jahre
ca. 96 Seiten
ISBN 3-570-12368-5
 

Inhaltsangabe

"Froschmaul" nennt der 9-jährige Paul Mamas neuen Freund, den er am liebsten auf den Mond schießen würde. Die Mutter-Sohn-Idylle ist nämlich futsch: kein saugemütliches Muffel-Frühstück mehr, keine faulen TV-Abende mehr ... Dafür mischt sich jetzt Froschmaul in Pauls Leben. Paul hasst es, wenn der Kerl seine Mama abknutscht, die dabei auch noch so verliebt dreinschaut. Pauls bester Freundin und Schulkameradin Riki geht es nicht viel besser. Ihr kleiner Bruder Klaas, der "Heideidei-tralala-Affe" und "nervtötende Windelpisser", macht ihr das Leben zur Hölle; vor allem wenn er gerade wieder Zähne kriegt. Seit Frosch aufgetaucht ist, besucht Paul seine Riki so oft es geht. Beide fühlen sich zu Hause ausgenutzt und vollkommen überflüssig. Da liegt der Gedanke an eine große Auswanderung nahe. Pauls Vater lebt in den USA, in San Francisco. Riki und Paul besorgen sich das nötige Kleingeld für die Reise und schreiben schon mal die Abschiedsbriefe. Die Vorfreude auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist riesig. Und Rikis Schadenfreude lässt auch nichts zu Wünschen übrig: "Stell dir vor, wie die dann gucken, wenn sie mit ihrem Superbaby  alleine dasitzen und sie keine automatische Babysitterin - Einkäuferin - Staubsaugerin mehr haben!" Aber natürlich kommt alles anders: Riki verliebt sich in Manuel, den Neuen in der Klasse, der mit den schwarzen Augen und dem Gamegear. Und Pauls Mutter findet zufällig den Abschiedsbrief und will alles wieder gut machen ...
 

Rezension

Nina Schindler: Und wo bleib ich?
Nicht teilen. Paul muß seine Mama mit niemandem teilen. Eine richtige Mutter-Sohn-Idylle herrscht, angefüllt mit herrlichen Muffel-Frühstücken und superfaulen Fernsehabenden zu zweit. Solange bis Bernd in das Leben von Mutter Uschi und damit zwangsläufig auch in das Leben des Neunjährigen tritt. Ab diesem Zeitpunkt ist für Paul "Schluß mit lustig".
Paul kann den neuen Freund, von ihm heimlich "Froschmaul" getauft, nicht leiden. Wie auch: wo seine Mutter kaum mehr Zeit für ihn und nur noch Augen für Bernd hat. Riki, Pauls beste Freundin, steckt in einer ähnlichen Krise. Nur daß sie mit ihrem Babybruder Klaas um die Gunst der Mutter ringt. Da hilft nur Auswandern nach Amerika.
aus: OTZ Beilage 24.4.1999
 [Keine Beschreibung eingegeben]
Nina Schindler: Und wo bleib ich?
Die Geschichte, die diesem Buch zugrunde liegt, ist schon häufig erzählt worden und doch nie genau gleich: Kinder müssen in verschiedenen Situationen lernen, mit ihrer Eifersucht umzugehen: wenn die alleinerziehende Mama plötzlich einen neuen Freund hat wie in Pauls Fall oder wenn ein kleines Geschwisterchen kommt, dem die Eltern mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen wie in Rikis Fall. Und trotz dieses an und für sich oft recycelten Themas besticht das vorliegende Buch durch seine Kreativität und Spritzigkeit: Nina Schindlers Wortschöpfungen sind gekonnt und bringen Dynamik in die Geschichte ohne ins Lächerliche abzurutschen. Wenn sie Paul denken läßt, daß seine Mutter mal wieder "echt krischig" ist, dann haben die Leser wohl keine Probleme damit, sich das auch wirklich bildlich vorstellen zu können.
Und so ist der Autorin mit der vorliegenden Geschichte ein lebhaftes, unterhaltsames Buch gelungen, das vor allem auch den Umgang Pauls mit seiner Eifersucht glaubhaft und nachvollziehbar schildert.
Jugendliteratur und Medien
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (VJA)
Landesstelle: Hessen    Ausschuß: Frankfurt

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