Flimmerkiste (Hg.)

Gerstenberg, 1999
ca. 463 Seiten

 

 Inhaltsangabe

Informatives, Hintergründiges, Kluges und Witziges zur Fernsehgeschichte, dargeboten von Fachjournalisten, Moderatoren, Kritikern und Fans. Ein buntes Kaleidoskop der ersten dreißig Jahre des deutschen Fernsehens: Beiträge zu Serien und Fernsehstars, zu Galashows und Kataströphchen, zur Politik und Volksmusik, zur Geschichte des Fernsehens hüben und drüben. Nostalgisch, zornig, kritisch und liebevoll lassen die Autoren "die gute alte Fernsehzeit" Revue passieren, als die Bilder noch schwarzweiß, die Sendezeit begrenzt und das Programm uns so vertraut war wie Frankenfelds karierte Jacke. Nach dem großen einleitenden Teil zur Geschichte heißt es "Kamera ab" - die folgenden Kapitel setzen sich jeweils mit einer Sparte des Fernsehprogramms auseinander, von der Nachrichtensendung bis zum Kinderfernsehen, vom "Straßenfeger" bis zum Western. Unterhaltsam unterbrochen durch "Bildstörungen" und Reinhard Jahns "Fernsehmuseum", das die wichtigsten Sendungen parodierend auf den Punkt bringt. Uns werden pikante Fernsehskandale vorgeführt, und Knut Hickethier hält uns die "Ikonen der Nostalgie" noch einmal vor Augen. Ein großer Anhang mit deutschen Fernsehpreisen und einem ausführlichen Register rundet das reich bebilderte Buch ab. Die Flimmerkiste läßt uns tief in die eigene Seele blicken, macht Erinnerungsbilder lebendig und beweist, daßssFernsehen klassenlose Kultur ist. Die Flimmerkiste auch. Die Flimmerkiste enthält Beiträge von Georg Seeßlen, Barbara Sichtermann, Wolfgang Menge, Reinhard Münchehagen, Susanne Weingarten, Reinhard Jahn, Harald Keller, Uschi Nerke und vielen anderen.Nina Schindler lebt mit Mann und fünf Kindern in Bremen. Sie schreibt und übersetzt u.a. auch Kinderbücher.

Rezension

Kindheit auf der Schatzinsel

In die Ahnengalerie des Fernsehens sind sie ebenso eingegangen wie in die persönliche Mythologie jedes Einzelnen: die Stars, Serien und Shows der frühen Fernsehjahre. Einen guten Teil der Kindheit verbrachte man auf der Schatzinsel“ oder auf der „Ponderosa“, in den „Straßen von San Francisco“ oder beim „Einsatz in Manhattan“. Zur Schule ging man mit einem schwarzen Hemd wie Adam Cartwright oder mit einem neurotischen Blick wie Klaus Kinski als somnambuler Tatverdächtiger der Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Und die blonde Nachbarstochter hatte neben „Emma Peel“ immer einen schweren Stand — wie man selbst neben dem David-Cassidy-Poster an ihrer Zimmer- wand.

Einen „nostalgischen Rückblick“ auf das Fernsehen der 60-er und 70er Jahre bietet der reich bebilderte Band „Flimmerkiste“: größtenteils bestritten von den persönlichen und freimütig sentimentalen Erinnerungen (,‚Ich wollte von den Waltons adoptiert werden“) der zahlreichen Autoren, die manchmal eine Atmosphäre wie bei Kaffeefahrten oder Klassentreffen auftreten lassen. Dennoch, die „Flimmerkiste“ ist ein zuverlässiger Wegführer in ein versunkenes Traumreich, wo Hänschen Rosenthal eifrig mit der Schwerkraft kämpft, lija Richter den „Spot“ einschalten lässt und eine atemberaubend schöne, wunderbar skandalöse Romy Schneider mit dunklem Kopftuch und dunkler Stimme zu Burkhard Driest sagt: „Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sogar sehr“.

Kölner Stadt-Anzeiger

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Hier galoppiert Hoss auf Pferdes Rücken endlich wieder zur Ranch „Ponderosa“, bittet Kommissar Keller alias Erik Ode von der Münchner Mordkommission im von Rauchschwaden vernebelten kargen Büro zum Verhör, fragt Robert Lembke nach den Schweinderl für die Fünf-Mark-Stücke, setzt Werner Höfer zu spitzfindigen Fragen an. Es gibt ein Wiedersehen mit den Schölermanns, den Unverbesserlichen und natürlich den Hesselbachs. Informatives, Hintergründiges, Kluges und Witziges zur Fernsehgeschichte, dargeboten von Fachjournalisten, Moderatoren, Kritikern und Fans. Ein buntes Kaleidoskop, ein nostalgischer Rückblick auf die ersten 30 Jahre deutschen Fernsehens, als Fernsehen noch Fernsehen und die Bilder noch schwarzweiß, die Sendezeit begrenzt und das Programm uns so vertraut wie Peter Frankenfels karierte Jacke waren.

Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg

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Fachjournalisten, Moderatoren, Kritiker und Fans haben sehr persönliche, nostalgische, zornige, kritische und liebevolle Rückblicke auf 30 Jahre deutsches Fernsehen vor Beginn des Privatfernsehens zusammengetragen. Autorinnen und Autoren wie Georg Seeßlen, Barbara Sichtermann, Wolfgang Menge, Hans Müncheberg, Susanne Weingarten, Reinhard Jahn, Harald Keller, Uschi Nerke und andere zeigen ein buntes Kaleidoskop der damaligen Fernsehgenres.

Der „guten alten“ Zeit ist dieses Buch gewidmet. Ein bisschen „Weißt-du-noch“ Nostalgie, ein bisschen „Wie-habe-ich-das-damals-genossen“-Schwelgerei und ein spätes „Wie-konnte-ich-denn-das-nur-so-toll-finden?“-Staunen. Es ist aber keineswegs nur für Menschen, die von Anfang an dabei waren. Auch junge Leute werden ihr Vergnügen beim Lesen haben.

Übersichtlich in Rubriken unterteilt erfahren wir in der Nachrichtenabteilung, dass die Nachrichtenmenschen zu Familienmitgliedern wurden, weil sie täglich in die Wohnzimmer kamen. Die Leute trauten sich nicht unrasiert, ohne Lippenstift oder gar zerzaust im Bademantel vor den Apparat, weil sie glaubten, dass Herr Köpcke (ein Nachrichtensprecher) ihnen schnurstracks ins Auge, ins Wohnzimmer — und den Damen selbstredend auch ins Herz — blicken konnte. Die Sprecher bekamen Liebesbriefe und wurden berühmt, Karl-Heinz Köpcke erhielt bald fünfzig bis einhundert Briefe monatlich.

Auf die erste Nachrichtenfrau mussten wir bis Anfang der siebziger Jahre warten.

Einige der alten Serien wurden in den Kult-Stand erhoben oder sind den Jüngeren durch Wiederholungen bekannt: „Familie Schölermann“, die meisten live über den Bildschirm ging, „Familie Hesselbach“, „Forellenhof‘, „Alle meine Tiere“ oder „Ein Herz und eine Seele“. Auszüge aus Drehbüchern ergänzen die Geschichten über die Serien. Knut Hickethier klärt in diesem Zusammenhang darüber auf, wie eine Sendung Kultstatus erlangten und warum es andere nicht geschafft haben.

Weiter geht es mit Tier- und Natursendungen, Politmagazinen. Im Kapitel über Sport wird daran erinnert, dass in der Zeit vor dem Videorecorder die Leute mitten in der Nacht aufstanden, um einen Boxkampf zu sehen, der aus Zaire übertragen wurde.

Das Quiz bildete den Schwerpunkt der Unterhaltungssendungen. Die Autoren berichten u.a. von der umstrittenen Show „Wünsch dir was“ mit Dietmar Schönherr, über den Charmeur Kulenkampff und „EWG“, den schlagfertigen Rudi Carrell und sein ‚Am laufenden Band“. Umrahmt werden die informativen Geschichten mit vielen Schwarzweiß-Fotos.

Wenn jemand denkt, Talkshows seien eine Erfindung der privaten Fernsehsender, dann irrt er. Bereits Anfang der siebziger Jahre talkte man munter darauf los. Im Hintergrund wachten Fernsehbosse streng über die geladenen Gaste und die Themen. Nina Schindler beschreibt mit viel Humor die Sternstunden der ersten Talkrunde mit prominenten Gästen.

Die „Fernsehskandale“, von denen Harald Keller in seinem Beitrag berichtet, erscheinen uns heute lächerlich. Aber die 60er und 70er Jahre waren beherrscht von Prüderie. Keller berichtet von Sendungen, die einigen Anstalten zu freizügig waren und daher nicht ausgestrahlt wurden. Auch das ZDF verzichtete damals auf einige Episoden der beliebten Serien »Mit Schirm, Charme und Melone“, weil die Hauptdarstellerin zu leichtgeschürzt in Aktion trat.

Leben und Lesen, August 2000

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Ironischer Rückblick auf 30 Jahre deutsches Fernsehen

Wo Tiere besser „spielen“

„Sah eben Fernsehprogramm. Bedaure, dass Technik uns kein Mittel gibt, darauf zu schießen.“ Diese Stellungnahme, die Bundestagspräsident Dr. Hermann Ehlers einst an den Intendanten des Ersten Deutschen Fernsehens telegrafierte, ließ an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.

Der hochrangige Politiker gehörte zu den wenigen Zuschauern, die auf einem Fernsehapparat den Start des bundesdeutschen TV-Programms am zweiten Weihnachtsfeiertag 1952 miterlebten. 4000 Geräte waren Ende 1952 angemeldet

— zwei Jahre später, beim Start des gemeinsamen ARD-Programms ‚ wurden bundesweit bereits 61 500 Teilnehmer gezählt. Was folge, war ein beispielloser Siegeszug in die Wohnstuben der Bundesbürger. Ein Siegeszug, dessen Geschichte in dem Buch „Flimmerkiste — ein nostalgischer Rückblick“ von den verschiedensten Seiten her beleuchtet wird. Vorabendserien, TV-Western, Werbung Samstagabendshows — das Spektrum an Themen ist breit.

In den sechziger Jahren hatten die Vorabendserien den Charakter von „ZweitErziehern, die mit einer Fülle erzählerischer Beispiele und moralischer Appelle aufwarteten“, so die Autorin Joan Kristin Bleicher: »Die Appelle und Ratschläge des Vaters von ‘Till, der Junge von nebenan‘, der immer seine Hausaufgaben vorlegen musste, galten auch uns.“

Neues Jahrzehnt, neue TV-Inhalte: Nach der gesellschaftlichen Liberalisierungswelle, die Ende der sechziger einsetzte, hätten auch „die deutschen Lebenssehnsüchte des Vorabends ein neues Gesicht erhalten“, heißt es. So zeichnete sich „Der Bastian“ (Horst Janson) als neuer Liebling „durch lockere Lebensart und studentischen Charme aus“. Neue Themen wiederum brachten die Achtziger mit sich. Doris Rosenstein schreibt, der außerordentliche Erfolg von „Dallas“ und“ Denver Clan“ habe die Vorstellung revidiert, dass die Ausrichtung auf die Alltagswelt das Nonplusultra bei den Familiengeschichten darstelle.
Herausgeberin Nina Schindler und die Verfasser der verschiedenen Beiträge haben der aus ihrer Sicht „guten, alten Fernsehzeit“ der ersten 30 Jahre ein kleines Denkmal mit vielen Bildern gesetzt. Dass dieses 460 Seiten-Denkmal auch mit viel Ironie errichtet wurde, hängt mit einer gewissen Ernüchterung zusammen, die sich aus dem Abstand von Jahrzehnten einstellt. Symptomatisch mag diese Einschätzung des Tierserien-Klassikers „Daktari“ sein: „Wie in allen Serien dieser Art wurden auch hier Tiere als die intelligenteren Wesen dargestellt, nach Meinung einiger Chronisten waren sie sogar die um einiges besseren Schauspieler.“

Besonders spannend sind die Berichte über die Anfangszeit des Fernsehens, als eine Familienserie wie „Familie Schölermann“ komplett live gespielt wurde. 111 Folgen kamen so zustande, bis das grundsätzliche Dilemma dieser Produktionsart nicht mehr zu übersehen war: „Die Menge der Vorkommnisse und Ereignisse, die sich im familiären Kreis abends in einer Wohnung abspielten konnten, musste irgendwann erschöpft sein.“

Anders lagen die Probleme in der DDR. Bei einem reinen Live-Programm waren Konflikte mit der Obrigkeit nicht zu vermeiden. So kam es am 8. Mai 1958 zum ersten Verbot eines Fernsehspiels — drei Stunden vor der angekündigten Ausstrahlung. 1963 wurde das Fernsehen zum Politbüro-Thema. Eine Lösung aus Sicht der Machthaber brachte die jederzeit vorführfähige Vorproduktion.

Westfalen-Blatt, Bielefeld 2.2000

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Sauertöpfe wegblättern!

Ein nostalgischer Rückblick auf 30 Jahre Fernsehen

Es ist chic, gerade in gewissen kirchlichen Kreisen, sich und anderen seine intellektuelle Überlegenheit zu versichern, indem man die eigene Fernsehabstinenz rühmt: „Wir haben doch einen Fernseher.“ Und zu dem leicht spitzen, elitären Tonfall gehört natürlich noch der passende Augenaufschlag. Da steckt dann in etwa der Satz drin: „Du, ich will dich ja echt nicht kritisieren. Es muss ja jeder selbst wissen. Aber...“

Nun kommt ja erwiesenermaßen ziemlich viel Schrott auf den Bildschirm. Aber eben nicht nur. Und das Medium Fernsehen als minderwertigen Zeitvertreib für Doofe abzutun, ist nicht nur eine gehässige Beleidigung der meisten Mitgeschöpfe, sondern widerspricht auch der offiziellen Politik der Kirchen. Denn die waren beim Fernsehen von Anfang an dabei, und zwar mit dem „Wort zum Sonntag“ — immerhin die traditionsreichste Fernsehsendung Deutschlands nach der „Tagesschau“.

In einem Rückblick auf dreißig Jahre Fernsehgeschichte sollte das „Wort zum Sonntag“ also nicht fehlen. Diese Hürde nimmt der Band von Nina Schindler mühelos, und auch der Rest des Buches ist mehr als eine Pflichtübung. Alle nicht so sauertöpfischen Zeitgenossen, die der „Flimmerkiste“ (wie sie im Titel liebevoll genannt wird) etwas abgewinnen können, werden mit dem Buch ihre helle Freude haben.

Im Hauptteil nehmen sich 16 Kapitel verschiedene Fernsehformate vor, da geht es zum Beispiel um „Nachrichten“, „Familienserien“ oder die großen „Samstagabendshows“. Dazu gibt es jeweils einen längeren informativen Text, jedes Mal ergänzt durch die Rubrik „Bildstörung“. Unter diesem Titel sammelt die Herausgeberin skurrile, bunte Geschichten. So wird etwa der erste Werbespot im deutschen Fernsehen dokumentiert („Der gebildete Mensch sagt Persil und nichts anderes“). Mit der Überschrift „Fernsehmuseum“ schließt dann jedes Kapitel, indem es unter anderem Zitate bringt, die dem, der sie erinnert, sicherlich ein Schmunzeln abringen. So etwa „Gutenabendallerseits.“

„Flimmerkiste“ bietet jede Menge Informationen. Trotzdem scheut man sich, hier von einem Sachbuch zu sprechen. Denn der Band macht vor allem Spaß — auch durch die vielen, inzwischen schon historisch gewordenen Bilder.

Konradsblatt 21.5.2000

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Der „guten alten“ Fernsehzeit ist dieses Buch gewidmet, den ersten 30 Jahren, als die Programme öffentlich-rechtlich noch mehr gegängelt als gefördert wurden. Ein bisschen „Weißt-Du-noch“-Nostalgie, ein bisschen „Wie-habe-ich das-damals-genossen“-Schwelgerei und ein bisschen spätes Staunen „Wie-konnte-ich-das-denn-nur-so-toll-finden?““ — so schreibt Nina Schindler in dem von ihr herausgegebenen Buch „Flimmerkiste“ und verheißt: „Die Autorinnen und Autoren der „Flimmerkiste“ nutzen ihr Wissen und ihre Erfahrungen, um ein buntes Kaleidoskop der damaligen Fernsehgenres zu entfalten; klug und kenntnisreich führen sie in die ersten 30 Jahre deutschen Fernsehens zurück und erheben zum Vorteil des Lesepublikums keinen Anspruch auf enzyklopädische Vollständigkeit, sondern sind darauf bedacht, zu unterhalten.“

Damit bietet das Buch zum einen Sach- bzw. Fachbeiträge so namenhafter AutorInnen wie Barbara Sichtermann, Knut Hickethier und Wolfgang Menge, zum anderen mehr oder weniger private „Döneken“, die amüsante Mosaiksteinchen einer besonderen Art der ‚Mediengeschichtsschreibung‘ darstellen. Wer ein Stück Fernsehentwicklung in Deutschland (unterrichtlich) nachzeichnen will, hat mit der „Flimmerkiste“ ein Füllhorn in Händen.

Praxis Schulfernsehen, Begleitmaterialien zu den Sendungen des WDR-Schulfernsehn, 03/2000

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Nostalgisch, zornig, kritisch und liebevoll lassen die Autoren die gute alte Fernsehzeit Revue passieren, als die Bilder noch schwarzweiß, die Sendezeit begrenzt und das Programm uns so vertraut war wie Frankenfels karierte Jacke.

Wirtschaft am bayerischen Untermain IHK Aschaffenburg

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Wer sich nicht nur für High-Tech-TV, sondern auch für die „Steinzeit“ des Fernsehens interessiert, bekommt mit Flimmerkiste vom Gerstenberg Verlag eine wahre Fundgrube über die deutschen Fernsehjahre 1953-1983. Herausgeberin Nina Schindler hat Beiträge zu allen Seiten der Mattscheibe zusammengetragen. Eine Reise in die Vergangenheit, die viele von uns nie gekannt haben. Umso amüsanter ist es, Mamas Fernsehen noch mal Revue passieren zu lassen.

TV Highlights 12/99


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