Ich zieh doch nicht aus!

Altberliner Verlag, 1995


 Inhaltsangabe

Dies ist der erste Band einer neuen Psycho-Comic-Reihe, die Ratgeber für Kinder sein will. Hier geht es um Klara, die damit fertig werden muß, daß ihre Eltern sich trennen. Eine trotz der ernsten Angelegenheit eher humorvolle Geschichte.

Klara ist wütend auf ihren Papa, weil er weggezogen ist. Doch der Veitstanz im leeren Zimmer bringt den Papa nicht wieder her.

Mit besonderem Spürsinn für die Gefühlslage des Kindes in Not zeigt dieses Buch, dass und wie es nach einem solchen „Erdrutsch“ weitergeht.

Rezension

Thema Scheidung einmal anders: Mit Sprechblasentext und frechen, kolorierten, comicartig zur Bildergeschichte gereihten Zeichnungen wir die ganze Gefühlsskala eines Kindes in Szene gesetzt, das Scheidung miterleben und w neue elterliche Partner akzeptieren muss. Verunsicherung, Wut, Schuldgefühle, Wünschen können an der Tatsache nichts ändern. Klara hat nun 2 Familien. Doch sie erfährt, dass sie wie zuvor geliebt wird und alle auch zukünftig ohne Schuldzuweisungen und in gegenseitiger Achtung miteinander umgehen werden. Die Realität mag da für Scheidungskinder oft anders aussehen. Trotz des konfliktträchtigen Themas ist der Starttitel einer „Psycho-Comic-Reihe“ nicht traurig. Humor und ein Quäntchen Satire in Wort und Bild erlauben Distanz, ohne zu verharmlosen. Therapie und Ratgeber für alle..

ekz-l nformationsdienst

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Problembewältigung als Comic mit Mädchen als Hauptfigur

Wie alle längst und hinreichend wissen, leiden nicht nur Erwachsene unter einer Trennung und/oder Scheidung, sondern vor allem auch die armen Würmer, die schuldlos in das Gefühlskuddelmuddel hineingezogen werden. Man kann sagen, was man will, und es gibt gewiss eine Menge Fälle, in denen Scheidung nicht die schlechteste Lösung ist, aber Spaß macht sie keinem, und Kindern sowieso nicht.

Autorin Nina Schindler und Zeichnerin Katharina Wieker haben versucht, den Problemen von Kindern in einer solchen Situation Rechnung zu tragen und haben zusammen ein Buch gemacht, das sich mit einem Mädchen, Klara, in dieser Lage beschäftigt.

Raffinierter- wie erfreulicherweise ist daraus ein Comic geworden. Was Klärchen erlebt, ist aus dem Leben gegriffen: zuerst ständiger Streit zwischen den Eltern, bis der Vater entnervt auszieht, allseitige Schuldgefühle, Klaras Wut auf die Eltern, heftige Weihnachtswünsche, dass Papa doch wiederkommen soll, Stress mit Mamas neuem Freund und Stress auch an den Papa-Besuchstagen, weil der alles nachholen will was er an seiner Tochter versäumt hat. Katharina Wieker hat Klaras Geschichte gestalterisch einfallsreich umgesetzt. Manchmal sind ihr die Figuren etwas zu kulleräugig geraten, dafür beweist sie aber eine ausgesprochen Vorliebe für ein fantasievolles, abwechslungsreiches, aber nicht unangemessen nervöses Seitenlayout.

Dass sich auch Sachthemen gut in Comics packen lassen, dass dieses Konzept erfolgreich sein kann und auch von Kindern sehr geschätzt wird, wissen wir seit „Peter, lda und Minimum“. Deshalb finde ich es schön, dass „Ich zieh doch nicht aus!“ der Startband einer ganzen Comicreihe sein soll, die sich mit Kinderproblemen beschäftigt und die sich „Tipps für Kids“ nennt.

Noch was: Bei allem Unerfreulichen und Traurigen der Situation ist Klara ein starkes, munteres und selbständiges Mädchen, und das können wir, vor allem im Comic, immer brauchen.

Eselsohr Nov. 95

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Liebe ist nicht ewig

Nina Schindler und Katharina Wieker nähern sich dem Thema Scheidung einmal anders: mit einem Text so kurz, das er in Sprechblasen passt, und mit frechen, zur Bildergeschichte gereihten Zeichnungen. Im Zeitraffer skizziert das schmale Buch „Ich zieh doch auch nicht aus!“ all die zwiespältigen Gefühle eines Kindes, das die Scheidung der Eltern miterleben muss. Auch die Schuldgefühle und sehnsüchtigen Wünsche von Klara, dass alles nur Episode war, können an der Trennung der Eltern nichts ändern.

Und doch ist die Scheidung nicht das Ende. Klara erfährt, dass Mutter und Vater sie nach wie vor lieb haben. Klara hat nun zwei Familien. Sie darf sicher sein, dass niemand allein die Schuld trägt, jeder seine schwierigen und guten Seiten hat und alle trotzdem fair und ohne Zorn miteinander umgehen. Zudem erlebt auch Klara in ihrer Begegnung mit dem neuen Klassenkamerad Andreas, wie schwierig der Umgang mit amourösen Gefühlen ist.

Die Wirklichkeit mag freilich für Scheidungskinder oft genug anders aussehen als das Leben von Klara aus dem Kinderbuch.

Bei aller psychologischen Tiefe und Vielschichtigkeit des Themas stimmt dieses kleine Buch nicht traurig. Ein Quäntchen Satire, eine gute Portion Humor in Text und vor allem in den Bildern sorgen für die heiteren Zwischentöne, ohne das Thema Scheidung und die Folgen zu verharmlosen.

Darmstädter Echo


 

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